Die externe Festplatte und das Ok-sein.

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Von Zeit zu Zeit ist man ja krank. So wie ich gerade. Da kucke ich dann meine Serie bis ich einen Ohrwurm der Titelmelodie habe, trinke Kamillentee und werde unansehnlich.

Der perfekte Zeitpunkt für die externe Festplatte. Ich sortiere fachmännisch alte Fotos herum. Erst nach Datum, dann nach Ereignissen. Dann wieder nach Datum. Der ewige Kampf. Bald bin ich abgelenkt und komme in einen nostalgischen Klick-und-Erinner-Modus. Der Kampf ist verloren. Sobald Fotos älter als 12 Monate sind, spricht man ja schon von »Früher«. Ich sehe mir also historische Ereignisse an: Kleidung, die ich heute nicht mehr als solche bezeichnen würde, Orte, die ich schon wieder vergessen habe und Menschen, die mir wichtig waren oder die ich liebte.

Ich sehe mich auf den Bildern. Jetzt mit einem ganz anderen Blick als im Moment der Aufnahme. Ich kann mich genau an meine Gedanken erinnern. Vielleicht liebe ich deswegen die Fotografie, weil ich sonst ganz furchtbar vergesslich bin.

Der Person auf den Fotos, würde ich manchmal gerne etwas sagen. Dass sie sich nicht so viele Gedanken machen soll – über ihr Aussehen, ihre Lebensweise oder ihre Fehler. Ich will sagen: »Sei nicht so streng mit dir« oder »sei glücklich und nicht so unfassbar melodramatisch«. Denn für die Fragen, die mich auf diesen Bildern beschäftigt haben, habe ich fast alle Antworten gefunden – oder sie sind mit der Zeit unwichtig geworden. Man sagt im Nachhinein ist man immer schlauer. Das bin ich, und glücklicher, zufriedener und gütiger mit mir selbst. Es reicht sogar aus, es heute meinem alten Ich zu sagen. Das ist gut.

Retrospektive ist eine gute Methode sich selbst lieben zu lernen. Denn höchstwahrscheinlich hatte man ein fragwürdiges Modebewusstsein oder ein verkorkstes Selbstbild, aber irgendwie war man doch trotzdem ok, oder? Legt man all diese Fotos, übereinander, sind sie der Mensch, der man heute ist. Jede festgehaltene 100stel-Sekunde ein Standbild deiner Persönlichkeit. Erwähnte ich schon das ich Fotografie lieb hab?

Was will ich eigentlich sagen? So platt es klingt: Schau dich an und finde dich ok. Natürlich brauchst du das Zurückblicken dafür nicht. Aber wenn es hilft stelle dir dein älteres Ich vor, das auf deine heutigen Problemchen schaut und schmunzeln muss. »Ach ja? Geht wirklich gerade die Welt unter? Aber ich lebe doch noch.« oder »Musst du diese gelb-lila-gestreifte Jacke anziehen? Überleg lieber nochmal … Oder scheiß drauf, gibt lustige Fotos«.

 

Gruß
Rebekka

 

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