Sich selbst finden für Dummies.

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Hallo. Heute schon dich selbst gefunden? 

Ich erzähle euch eine Geschichte.

Eines Tages entschloss mich dazu, ein bisschen herumzureisen.

Diese Entscheidung war in meinem Freundeskreis bisher fast einzigartig. Mal Abgesehen von Dreiviertel meiner Abschlussklasse, die in Australien eine deutsche Kolonie gegründet hatten.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Reisen. Herumreisen. Weltreisen. So geziemt es sich für die Generation „Kriegsenkel mit bedeutsamen Tattoo, Lebenskrise mit 20 und Nutzern von Tinder, dem Fleischmarkt der Neuzeit. Warum heist das eigentlich nicht Rinder? Nun auch eine andere Geschichte.

Meine Mission für meine Reise war mir so klar vor Augen.

Ich wollte mich selbst finden.

Ich hatte mir das sehr poetisch vorgestellt: Das mein »ich« irgendwo da draußen in der Welt umherschwebt. Mit Netz und Lupe, wie ein Schmetterlingssammlerin wollte ich dieses »ich« einfangen, mit einer Nadel aufpiecksen und in meiner Glasvitrine ausstellen. Zu den anderen hübschen Exponaten wie »dem Selbstbewusstsein« und »der Weisheit«.

Was ich jetzt weiß: Alles Papperlapapp!

Denn ich wurde ausgelacht. Als ich sagte ich bin hier, um mich selbst zu finden. Mein Zuhörer lachte und tastete theatralisch die Umgebungsluft ab, um sich letztendlich selbst in den Armen zu liegen.

Er lachte so laut und hatte immer noch seine beiden Schultern fest im Griff,

da habe ich mich ein bisschen dumm gefühlt. Dann aber habe ich gemerkt, dass dieser Satz wirklich dumm ist.

„Ich will mich selbst finden.“

Diese Suche ist doch logisch betrachtet unangemessen, für Leute wie wir. Die sonst alles auf dem Schirm haben. Hey du weißt wie viele Kalorien eine Süßkartoffel hat aber nicht wo du dich selber befindest? Sag mal bist du dumm?

Wo sind wir? Die Frage ist leicht. Jedes Kleinkind kann sie dir beantworten.

Schon von klein auf wird es Ihnen in die Maxi-Kosis gebrüllt:

»Ja und wo ist denn die Ursula?« »Daaaaa!«

Ein immerwiederkehrendes Selbstfindungsritual, das uns von Anfang an die Sache klar machen müsste.

»Ja und wo ist denn die Heidi?«  »Daaaaa!«

Selbstfindung für Dummys. Sehr leicht.

»Ja und wo ist denn der Peter?«  »Daaaaa!«

Die Erwachsenen werden sich nun empören: »Ja bei Kindern ist das ja auch was ganz, ganz, ganz anderes!« Nein Dummkopf. Es ist überhaupt nichts anderes!

Nur müssen die Grundfragen über Sein, Haben und Handeln, bei Erwachsenen immer verdammt kompliziert gemacht werden. Am besten reden wir in trübem, verschnörkeltem Vokabular, damit keiner mehr weiß worum es geht, aber jeder fröhlich mitreden kann.

Wir haben uns ja ganz phantastische Worte ausgedacht: Zentrieren, Ausmitteln, Self-Search, Innere Balance. Dann stehen wir da, auf unseren WG-Partys, als 90ties Girl verkleidet. Oder Hippie, oder Great Gatsby oder Hure. Aber nicht als wir selbst.

Dann trinken wir unsere Großstadtgetränke aus Kleinstadtgläsern und erzählen: »Hach weiste ich geh jetzt nach Israel um mich selbst zu finden, das fühlt sich echt richtig an.“ Hmmm.

Eine Suche nach dir Selbst kann nicht von dir Selbst ausgeführt werden.

Wo kämen wir denn da hin. Wenn sich Autoschlüssel selbser fänden.

Gedanken selber dächten. Brezeln sich selber brächten. Schweine sich selber schlächten. Glaubt ja auch niemand. Aber bei uns ist das natürlich was ganz, ganz anderes.

Das eigentliche Ding an diesem ganzen „Ich such mich“ ist doch, dass uns die simple Wahrheit nicht gefällt. Die da ist: Das was du gerade bist, das bist du.

Da wo du gerade bist, da bist du.

Es gibt keine perfektere Version von dir.

In keinem Yoga-Kurs, in keiner Schackra-Meditation und in keinem Land dieser Welt. Du bist schon da. Hier. Jetzt. Und das ist auch in Ordnung so.

Auf was warten wir denn? Auf unser gefundenes Ich, dass die Metamorphose zu einem Idealschmetterlingsselbst ist? Glaub das doch nicht! Außerdem soll man Schmetterlinge nicht aufpiecksen.

Und ist dann alles gut oder geht uns dann was anderes verloren?

Ja, seit wann vermissen wir eigentlich uns selbst?

Es gibt so viele bessere Fragen die wir uns stellen sollten.

Zum Beispiel: Wonach suche ich wirklich, wenn ich eigentlich schon hier bin?

Ja wonach suchst du?

Gruß

Rebekka

 

P.S: Ich halte niemandem davon ab sich auf eine innere Suche zu begeben,
solange es damit endet, dass ihr euch selber im Arm haltet. Prost! Auf die Großstadt!

Eine schnelle und effektive Methode, sich selbst zu finden:

      1. Schließe deine Augen.
      2. Strecke deine Arme weit aus.
      3. Beginne mit den Händen, Tastbewegungen in der Luft zu machen.
      4. Bewege deine Arme, während des Tastens, zum Oberkörper hin.
      5. Umfasse mit den Händen, die jeweils auf der anderen Seite liegende Schulter.
      6. Öffne deine Augen.
      7. Herzlichen Glückwunsch! Du hast dich selbst gefunden!
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1 Comment

  1. […] Nachdenkenswertes verfasste Rebekka in ihrem Artikel “Sich selbst finden für Dummies”. In ihrem Blog lohnt es sich zu […]

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