10 kleine Negerlein.

Mein Lieblingsbild.

Ein provokativer Titel, ach oh je oh wie provokativ. Dabei hat man das gleichnamige Lied in meiner Kindheit noch in der Schule gesungen. Am Anfang 10 Negerlein dann immer weniger bis es am Ende wieder 10 sind. Einfach stumpfsinnig. Fast genauso stumpfsinnig wie unsere Vorstellung von diesem großen Gelb-günen Kontinent unter uns. Irgentwo da, wo plötzlich der Eurorettungsschirm und das öffentliche Hot-spot-wlan aufhört. Was ist da unten eigentlich? es ist Afrika. Und dies hier ist der Versuch eines Reiseberichtes:

Ich komme aus Kamerun. 6000 km Luftlinie von Brüssel. Und vielleicht auch 600 Jahre zurück in der Zeit. Am Douala-Airport möchte man nicht vom Boden essen. Man möchte das dort aber auch nicht in einem Restaurant. Meistens jedenfalls. Kamerun empfängt dich mit kaputten Fliesen.  einer Passkontrolle, und die Prüfung ob du gegen Gelbfiebergeimpft bist, das ist Vorraussetzung. Und dann ab ins Getümmel des Flughafenvorplatzes.

Du bist weiss, das bedeutet du hast Geld. Deine Hautfarbe ist für manche Menschen hier eine Einladung dir deinen Koffer wegzunehmen. Wie dümmlich ich da bestimmt rumgestanden habe. Unfäig zu begreifen was hier gerade passiert. „Nein ich brauche keinen Regenschirm“ „Nein ich habe keine Schockolade“ „Nein ich brauche auch nicht diesen Regenschirm.“ Wie schlecht ist doch mein Französisch. Hätte ich doch besser aufgepasst in der 7ten Klasse… Endlich hält Jemand unter den hundert Menschen ein Foto von uns hoch. Wir steigen in einen alten Toyota der nach Schimmel riecht und fahren nach N’Dounge, etwa 4 Stunden durch das Land.

Wir sind: mein Vater, eine Medizinstudentin im 6 Semester, eine Radiologische Assistentin und ich. Das Land durch das wir fahren ist zuwider aller Erwartungen nicht heiß. Von Juli bis September regnet es in Kamerun. Und Regen bedeutet hier kein Weichei-Niesel, sondern brutale Kübel. Oder sagen wir Bierfässer.

Ziel unseres Aufenthaltes hier ist eine Bestandsaufnahme eines vor etwa 100 Jahren erbauten Krankenhauses zu erstellen. Das bedeutet Architektur, Wasser- und Elektroleitungen vermessen und dann in einem Computerprogramm zeichnen. Das hört sich so richtig nach frustrierend spektakelfreier Entwicklungshilfe an. Ist es auch, aber ein gutes Fundament um ein völlig verlottertes Krankenhaus wieder halbwegs auf die Beine zu bekommen.

Die schönsten / beeindruckensten Dinge die ich erlebt habe:

  1. Geburt auf afrikanisch. – von Termiten und Mottenkugeln:
    Zwei Frauen waren mittags gekommen da die Wehen eigesetzt hatten. Mit Arztkittel und Handschuhen bewaffnet gingen wir abends in den „Kreissaal“. Genug Zeit noch, um viel zu erleben. Händchen habe ich gehalten, einer Frau so alt wie ich. Aber immerhin erst ihre Premiere-Geburt. Es ist seltsam darüber zu schreiben wie eine Geburt abläuft. Ständig kommen halt so Schübe und die Frau wimmert (wenn sie tapfer ist) oder schreit (wenn sie normal ist). Beide Frauen waren eher von der tapferen Sorte. „Respi, respi!“ nehme ich schnell in mein französich-Vokabular mit auf. Das muss man immer mal wieder anordnen. Sowieso auch weil ich hier als docteur angeredet werde. Logisch: Blond und Kittel = Ärztin. Der Erfolg:  Zwei Mini-Prinzen aus Zucker. Braunem Zucker. Umringt von (ungelogen) tausenden Termiten, die zum Glück eher das Licht als das neue Leben aufsuchen. Zur Erklärung: Die Termiten haben Flügel, dann fliegen sie in die Lampe, Flügel verbrennen oder fallen ab und die Viecher verschwinden irgentwo.
    Ich messe einen Fuß, 6cm und tupfe die erstaunlich hellen Körper ab. Dann werden die Babys in hässliche Klamotten gesteckt. Rosa und stinkend nach Mottenkugeln. Ach Mensch. um 00:00 falle ich fix und fertig ins feuchte Bett.Bienvenue.
  2. Wie zockt man Deutsche ab?
    Ganz einfach – mit allen Mitteln! Am Flughafen empfangen dich ungefähr 20 Männer vom Zoll. Alle haben eine andere Uniform an, irgendein Namensschild oder eine Umhängeband. Sie wollen deinen Koffer aufmachen. Oder du kannst einfach bezahlen. Praktisch oder?
    Der einzige Weg da mit Koffer und Geld herauszukommen ist aggresiv zu werden. Schimpfen auf Englisch klappt und macht einem echt den Kopf frei!
    Eintrittsgelder: Wollte man uns oft zwei oder dreimal abnehmen. Einfacher Trick, immer zu jemand anderen der Gruppe hingehen.
    Material: Jeder will ein deutsches Handy oder eine Digitalkamera. Ich habe mindestens hunderte Bestellungen aufgenommen, leider unfreiwillig. Erstens frage ich mich wozu die Kameruner Handys brauchen und zweitens ob es überhaupt Handys aus deutscher Herstellung gibt? Jedenfalls wird oft mit Mitleid versucht deine Freundschaft zu ergattern. Das größte für die Einheimischen ist es mit europäischen Freunden anzugeben.
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  3. Essen – Bananen peal it and forget it. Für uns wurde gekocht. Das war spitzenmäßig. Wobei ich anfangs ein komisches Gefühl dabei hatte eine schwarze Frau als Köchin zu „haben“.Aber selbst kochen war schwierig denn ich habe noch nie einen Hahn geschlachtet.
    Nun dann gab es Fisch und Reis und Bananen. Jeden Tag. Beziehungsweise dann wenn unsere Küchen-Sarah da war. Die hatte nämlich immer einiges zu tun und kam dann halt nicht. Das ist da unten eben so. Eine Uhrzeit ist mehr so eine Art Kompass. Der zeigt so bisschen die Richtung an. Um 13:00 Essen? Ok ich stell euch um 18:37 dann einen Salat hin. Ihr werdet um 10:00 zur Hochzeit abgeholt, hey klar, wartet nur bis um 17:00 dann holt euch vielleicht jemand ab. Ach wo war ich, bei den Bananen. Die gibt es zerdrückt, süß oder salzig, Hart oder weich, in Scheiben oder als Pommes. Und alle Sorten schmecken, sagen wir mal, interessant.
    Unsere erste Aktion war die Küche sauber zu machen. Nach 3 Stunden Dinge wegputzen die ich hier nicht erwähnen möchte hatten wir das Gefühl eine Art Zwei-Sterne-Campingplatz-Kochstelle erputzt zu haben. Immerhin blieb man nichtmehr am Boden kleben.DSC_0323 Kopie
  4. Tanz – immer und überaus gut.
    Es ist wahr. Ja die Kameruner tanzen wie Götter. Kein Training keine Kurse sondern das Aufwachsen mit ständigem Gedudel. Sei es aus dem Fernseher, der Kirche oder aus dem Handylautsprecher. Immer wird Musik gehört und der Körper geht mit.
    An einem Sonntag fand ein Fußballspiel auf dem kirchenplatz statt. Massenhaft Leute tauchten aus dem Nichts auf und die grüne Wiese wurde schnell zu einem Festivalgelände. Alles Matschig. Sofort hatten wir die Aufmerksamkeit der Kinder. Um unsere zu bekommen dachte sich ein 8 jähriger Junge eine ganz besondere Strategie aus. Erst präsentierte er uns seine sehnigen Muskeln wie ein Boxer für ein Fotoshooting, dann begann er seinen Körper wie eine Schlange zu bewegen. Ich schwöre, das war der beste Tänzer den ich bis jetzt in meinem Leben gesehen habe. Step up ist ein Scheiß dagegen.
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Ich könnte noch Tausend Geschichten erzählen aber Reisetagebücher sind eben geschriebene Worte, die nur schwer einen greifbaren Eindruck hinterlassen können. Mein Angebot besteht darin mich persönlich anzusprechen und ich werde noch mehr erzählen. Jeder der schoneinmal Pfadfinder oder Soldat oder so etwas war sollte selbst eine solche Tour machen. Allen anderen Menschen empfehle ich Leute zu unterstützen die dort unten jahrelang arbeiten, urlaubstechnisch aber eher richtung Ballermann zu kucken.

Und noch zum Abschluss:
Am Flugahfen in München kommen unsere Gepächstücke nicht auf das von Plasmafernsehern bestückte Gepäckband, (auf das ich mich so gerne gelegt hätt um zu sehen wo es hinführt). Plasmabildschirme an einem Gepäckband, es waren mindestens 6 Stück, heißen dich also willkommen wenn du am Münchner Flughafen aus einem von 190 Staaten dieser Erde kommst. München <3 Dich. Und ich mag es auch, denn hier möchte ich auf dem Boden der Toilette mein Mittagessen zu mir nehmen. Hier möchte ich im Airportshop Geld ausgeben damit noch mehr fließt in diesem Land, noch mehr in Bewegung ist. Denn hier rennt alles. Sogar die Putzfrauen, ja sie können nicht schnell genug den nicht vorhandenen Dreck in ihren Rollwägelchen verschwindenlassen. Willkommen daheim.

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