Mit Ohne.

telefon.

40 Tage mit ohne.

Fastenzeit. Hat mich jetzt noch nie sonderlich interessiert. Aber diese Jahr wollte ich doch mal mitmachen. Aber auf was will ich 40 Tage verzichten, bzw. eigentlich nicht verzichten? Süßigkeiten? kein großer Verlust, denn die esse ich eh nicht so gerne. Fernsehen? Wird auch nicht schwer ohne Fernseher. Aber Facebook? Na gut also Facebook. „Bin ja eh so selten drin, wird also nicht ganz so schwer“ red ich mir ein. (von wegen!)

Tag 1 bis 5
Alles super. Natürlich war mein letzter Status „40 Tage kein Facebook. Auf wiederhören.“ Damit auch jeder von meiner edlen Fastenkur was mitbekommt. Super denk ich mir. Ist doch eher entspannend als ein Entzug.

Tag 6-8
Manchmal schleicht sich die Versuchung an,… doch mal kurz, also nur gaaanz kurz also wirklich nur mal so gaaaanz kurz…. Aber nein! Ich halte durch! Während der Arbeit ist es manchmal schwer, denn da sitze ich stundenlang vor dem Bildschirm. Manchmal ist da so ein bisschen sinnloser Poste-quatsch, neben dem sinnlosen Arbeits-quatsch mal ganz angenehm. Aber es wird straight geblieben. Amen!

Tag 9-13
Ich entdecke andere Internetseiten. Tummel mich auf Spiegel.de, neon.de  und natürlich wordpress. Außerdem habe ich ein Buch dabei! (Hört hört!). Und ich lese es tatsächlich.(Hört hört!)
Mich überkommt ein Gefühl von wahnsinniger Intelektualität. So mit Buch unterm Arm, Nachrichtenseite in den Tabs,( … und amazon…)

Tag 14
Heute Schulaufgabe geschrieben. Erfahre das jemand die Fragen in facebook geteilt hatte. Scheiße! Hat natürlich jeder mitbekommen, außer ich.

Tag 15-21
Ich weiß über die aktuellen Tagesnachrichten bestens Bescheid. Kann aber leider mit niemanden darüber reden, weil sich alle nur über die aktuellen Freundes-nachrichten unterhalten. Ich merke wie krass facebook bestimmt was wir denken und reden.
Werde immer mehr zum Klugscheißer für Politik oder Umweltschutz. Fühl mich aber super dabei.

Tag 22 und 23
Ich versuche mich an meinen vorletzten Post zu erinnern, den ich vor dem Fasten gemacht habe. Keine Chance. Ich versuche mich an einen Link, von einem Freund zu erinnern den ich zuletzt angeklickt habe. Auch keine Erinnerung. Wieso habe ich eigentlich facebook wenn keinerlei Information wichtig genug für mein Langzeitgedächtnis ist? Nicht einmal meine eigenen.
Trotzdem werde ich schwach, ich poste einen Infolink und schreibe einem Freund ob er nicht einen Flyer auf eine Webseite stellen kann. Ging einfach schnell und die Seite hätte sonst kein Depp besucht. Nehme mir trotzdem vor, nächstes mal jemanden dafür zu beauftragen.

Tag 24
Ich mache einen Fehler. Auf einer externen Seite klicke ich auf den „gefällt mir“-Button. Das wird natürlich sofort an meiner Chronik angezeigt. Ups!
In der Arbeit läuft es gut. Treibe mich in arbeitsfreier Zeit in der Sonne anstatt im Netz herum. Der Frühling machts einem leichter.
Während der Arbeit surfe ich auf diversen Seiten für Tierschutz und Umwelt herum. Gerne würde ich anderen davon berichten… Ich könnte ja statt Facebook eine Rundmail an meine Freundeschicken! Schaue in meinem Adressbuch nach. Gespeichert sind 7 E-mailadressen, 4 davon von meiner Familie. Ok das hat sich dann also auch erledigt.

Tag 25
Ich merke dass ich facebook ein bisschen vermisse. Nicht das ich auch nur irgendeinen Nutzen davon brauchen würde. Einfach nur weil es schwer ist sich andere Dinge als Beschäftigung zu suchen. Facebook ist eine Entschuldigung nichts für die Schule zu tun, ein Alibi für Faulheit, eine Ausrede für Putzdienste. Einfach eine wahnsinns Ablenkung!
Ab und zu reinschauen gelingt aber kaum jemanden.
Keiner will nur ab und zu belustigt, unterhalten oder benachrichtigt werden. Keiner will nur ab und zu über die nächsten Veranstaltungen bescheid wissen. Facebook ist eine verfluchtes Versprechen immer alles parat zu haben. Egal wie viel Scheiße darunter püriert ist.

Tag 26-28
In 60 Minuten online liest man etwa 50 Statusmeldungen, betrachtet 200 Bilder und folgt 5 Links. Kommentiert, antwortet, postet, lächelt, skipt sich durch Alben und scollt durch die Pinnwand. Nach 60 Sekunden ist alles wieder weg.
Ich genieße es mit meiner eigenen Welt überfordert zu sein. Und nicht von 300 Freunde-Welten obendrauf.

Tag 29
Ein Kumpel beschwert sich bei mir dass ich ihm seit einer Woche nicht antworten würde. „Ging es denn um was wichtiges?“ frage ich, „Äh nö, wollte eigentlich nur wissen was du am Wochenende machst.“ – Danke facebook, dass du uns jeglichen Menschenverstand nimmst!Ich schreibe mit ihm über whatsapp (gildet das?), smalltalk, lustige Bildchen, Kackhaufensmileys, fertig.

Tag 30
Nur noch Zehn Tage. Gut oder schlecht?  –  keine Ahnung

Tag 31
Fuck, schon wieder gekuckt. Feten-bekanntschaft angeschrieben. Wie kommt man denn daher wenn man nicht in facebook ist?
Eigentlich bescheuert sich dafür entschuldigen zu müssen. Mache es auch nicht. Verweise auf Whatsapp. Schnell abmelden, Puh!

Tag 32-38
clean. und dabei kein problem. kurz meine Seite teilen. shit.

Tag 39
Ich kucke dabei zu wie ein Freund durch seine Chronik scrollt. Ich finde das irgentwie komisch. Man kuckt da einfach so durch. Und danach kann man sich nicht mehr daran erinnern was man als erstes angeschaut hat. Was war eigentlich nochmal mein letzter Status?

Tag 40 und das Fazit:
Ich habe es nicht geschafft. Macht aber nichts. Dadurch habe ich gemerkt wie nutzlos es war das Facebook-Fasten zu brechen. Kam meistens nämlich nur Quatsch bei raus.
Mein 40 Tage Fast-Facebook-fasten war wie ein Schlussmachen einer nervigen Beziehung, in der man sich aber trotzdem freut zu erfahren dass es den Anderen noch gibt und was er macht.
Das große Argument bei facebook ist das man informiert bleibt. Das stimmt. Ich finde es zwar schade dass dieser Blog (fast) nur von Link-anklickern bei facebook gelesen wird. Aber andererseits freue ich mich ja trotzdem das ihr ihn lest.
In Zukunft wünsche ich mir, dass facebook für mich nur ein Mittel zum Zweck wird und keine mittelmäßige Hab-sonst-nix-zu-tun-Beschäftigung. Das wünsch ich allen Lesern auch, und das die E-mail wieder Einzug in die Adressbücher findet! Die hat zum Beispiel den Vorteil, dass sie kein Großkonzern speichert um dir gezielt Werbung an die Pinnwand zu posten.

lieben gruß
rebekka

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2 Comments

  1. kleiner Hai sagt:

    Interessant zu sehen wie tief Facebook nach wenigen Jahren schon sitzt, aber ich finde dein Fazit klasse!
    Abhängigkeit ist nie so fein, gell?

    • Immerhin kann man auch daraus ziehen dass es nicht lange braucht um Menschen für etwas zu begeistern, bzw. Ihr Handeln und ihre Zeit für etwas zu beanspruchen.
      Immerhin geht es den Facebook-Menschen um Kommunikation. Nicht um andere (schon dagewesene) Gedanken.

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