Der_Herr_Hitler.

Mit so einer headline kriegt man sie alle! Herzlich willkommen, liebe Leser!

hitler R.L (c)

Neulich, Sonntags. Kalt aber schön draußen. In der Kleinstadt ist nichts los.Wie ein Hund muss ich aber mindestens einmal am Tag dringend vor die Tür. (sonst passiert was schlimmes)
Also verschlägt es mich in seltsames Milieu. Unter Trödler.

In der sogenannten Stadthalle, die weniger wie eine große Eventhalle daherkommt, sondern mich eher an Umkleidekabinengänge in einer Turnhalle erinnert, findet ein Antik- und Trödelmarkt statt. An der Kasse (ja das kostet Eintritt) wird man, als Mensch unter 60, erstmal wieder ausgeladen. „Dies ist schließlich kein Flohmarkt!“ sagt eine Omi, mit der Stimme eines kettenrauchenden Fernfahrers. Wir bleiben hartnäckig, zahlen und tauchen ein, in die Vergangenheit.

Goldamulette in Schatzschatullen, Taschenuhren und Seeräubersäbel. Blechspielzeug und Dampfmaschinen. Der Geruch von „alt“ kitzelt in der Nase, während man sich nicht traut die Schätze aus den „besseren Zeiten“ anzufassen. Hinter den Geschichtsschwangeren Trödelbergen sitzen die Alten und trinken Tee.

Jeder Stand hat seinen eigenen Charakter. Genauso wie die Hüter der Schätze entweder Super-rentner oder Unrentner sind. An manchen Tischen darf ich jede Uraltkamera sanft tätscheln und der Besitzer versinkt mit mir in Schwärmereien. Bei anderen Sammlungen will ich dem Krempel gar nicht näher als 10 Meter kommen. Das „Adolf Hitler ist der Sieg!-Bild“ neben einem hängenden Jesus, kommt ungefähr so symphatisch wie dessen raubeiniger Verkäufer rüber. Auf die Frage ob man sowas überhaupt noch zeigen darf gibt es ein „Grrmpfmh“.Aha, schönen Tag noch.

„Früher war alles besser“ ist natürlich ein bisschen zu schnell dahingesagt. Aber eins steht fest: Früher war vieles schöner! Das gilt für Spielzeug zum Beispiel. Heute bekommt ein Kind einen Elektrokasten vor die Nase gestellt, bei dem es als Herausforderung gilt, 2 Kabel in die richtige Reihenfolge zu stecken, sodass die Miniglühbirne flackert. Früher hat man Kinder ernst genommen. Da mussten die ihren Verbrennungsmotor von der kleinsten Schraube auf selbst zusammenlöten. Wenn die dabei einen Finger verloren haben, weil der Schmelzofen für die Eisenbahn zu heiß gelaufen ist, hieß das höchstens, dass man mit Holzkohle stadt mit Uran weiterfeuerte.

Sobald etwas alt und kaputt aussieht kannst du stolze Preise dafür verlangen. Leider, sonst wären all die schönen „Retro“-Sachen jetzt in meiner Wohnung. Vielleicht geht es bei diesem ganzen Trödelzirkus aber auch gar nicht ums verkaufen. Viel mehr ist der Umkleidekabinenkeller ein soziales Netzwerk, bei dem man eben keine Statusmeldungen auf der Pinnwand postet, sondern den Kellerinhalt. Logisch, eine Zinnbadewanne ist ja fast so ähnlich wie ein Badewannen-Babyfoto, das man teilt. Die Alten Menschen sharen Ihre Kindheit mit den Anderen. Und so wie bei facebook, kann man sich nicht alle Freunde immer aussuchen. Die kennt man halt. Und nerven mit Ihrer blöden Selbstdarstellung.

Letzendlich habe ich eine Schreibmaschine aus dem Mittelalter und einen Wecker abgestaubt. Das praktische an dem Wecker ist das er nicht klingeln muss damit man wach wird. Der tickt so laut. Aber ich will ja eh früh aufstehen, und nach draußen, wie ein Hund.

gruß

rebekka.

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