Mailbox

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Ich denke gerade viel nach. Grund dafür ist nicht ein momentaner Überbedarf, denn den haben wir immer, wie ich finde. Nein, es ist viel mehr die Zeit die ich gerade massig übrig habe um nachzudenken.
Bei der Arbeit sitze ich meist vor dem Bildschirm und ziehe stupide Linien nach, oder ich Klebe 8000 Klebepunkte rund um ein Mailing, dass Softshelljacken anpreist.
Ja und eben drum gehören derzeit viele (mehr oder weniger) tiefsinnige Dinge zu meinem Gedankenrepertoire.

Meine Gedanken schweben oft zu Vergleichen. Ich will ständig die Welt auf ihre Gutheit untersuchen. Sind die Menschen warmherzig (ein alter Mann hält mir die Supermarkttüre auf) oder sind sie bescheuert (die Bäckereifachverkäuferin sieht mich entnervt an, da ich nicht auf Anhieb ein Zehncentstück hervorzaubern kann.)
Am besten wäre es eine Strichliste zu führen und Aufzeichnungen über Arschigkeit und Nettheit anzulegen.
Was am Ende des Tages wohl dabei herauskommt? Oder was passiert wenn die Welt am Montag einen Scheiß-arschgeigen-Tag hat und man dann so pessimistisch in den Dienstag startet, dass kein Türaufhalter der Welt, die Statistik in den grünen Bereich türaufhalten kann?
Zusammenzählen von Ereignissen funktioniert meistens nur bei schlechten Sachen.
Wenn uns klar wird:“Es geht mir irgendwie nicht gut“
und uns frägt jemand:“ja was hast du denn?“
Lautet die Antwort meistens:“ja weiß gar nicht irgentwie mehrere Sachen da kommt Einiges zusammen irgendwie.“
Addieren ist also paradoxerweise ein Negativphänomen. Wer rechnet schon auf, wenn man sich gut fühlt?
Aber vielleicht sollten wir genau dass machen! Glück ist Addition der guten Sachen minus Summe der Schlechten?
Naja vielleicht sollte man die guten Sachen mal 2 nehmen, denn ich würde sagen eine Familie wirkt mehr als ein Kaugummi am Schuh. Also wir halten fest, die Glückszustandsberechnungsformel:
(x+x+x+….)*2 – (y+y+y)
Und dann sei mal ehrlich, da gibt es sehr viel Spielraum für den lieben Optimismus. Und die Sache sieht dann in deinem Rechenheft ganz anders aus. Zumindest besser als bei der dummen Bäckereifachverkäuferin!

Ich wohne seit etwa 3 Wochen in einer neuen Stadt. Das Tolle daran ist: ich kenne noch niemanden. Das Schlimme daran ist: ich kenne noch niemanden.
Aufregung und Einsamkeit liegen da nah beieinander und wechseln sich manchmal stündlich ab.
Und der Vorteil/Nachteil davon, sich nicht auszukennen, macht zumindest mich, sehr vorsichtig. Beispielsweise war ich früher in der Schule grundsätzlich der Clown. Das hat sich schon in der ersten Stunde herausgestellt und während der ersten Wochen unumkehrbar festgefahren. Jetzt bin ich an einer neuen Schule und kenne dort kein einziges Gesicht. Was ich also tue, ist mich brav in die dritte Reihe zu setzten und feinsäuberlich Protokoll über die Stunde zu führen. Und weil es ohne Quatschmachen im Unterricht einfach zu langweilig ist, melde ich mich intervallartig.
Umgebung macht wahnsinnig viel aus. Bei Publikum das ich (noch) nicht kenne, ist mir jede Möglichkeit offen, mich zu präsentieren wie ich will. Keiner meiner neuen Klasse weiß, dass ich am liebsten rumblödel, Zettel werfe, Schuleigentum bekritzel und Diskussionen anheitze. Bin ich also jetzt jemand Anderes?
In deren Wahrnehmung ja, doch in Wirklichkeit? Macht mich das Fremde jetzt zu einer stillen Streberin weil es sich zu Beginn so ergeben hat?
Für mein Notenbild währe es sicher perfekt, wenn ich die Theatervorstellung ein ganzes Jahr durchziehe. Aber ehrlich gesagt bin ich mir gar nicht sicher ob es bisher überhaupt Theater war. Man sagt ja:“Menschen ändern sich nicht“ nur fände ich dass schon sehr deprimierend (Bäckereifachverkäuferin)
Menschen ändern sich permanent. Von Schuljahr zu Schuljahr, von Freundeskreis zu Freundeskreis, von Jahreszeit zu Wohlbefindenszustand und von Umgebung zu Alter.
Ich werde mich jetzt sicherlich nicht verleugnen wenn ich mich dieses Jahr am Riemen reiße und ein paar dumme (lustige) Sätze weglasse. Aber ich würde mich verleugnen wenn meine Ziele nicht mehr zu meinem Handeln passen.
Änderung ist ok, solange du dich damit nicht bescheißt.
Bescheißen heißt: „innerlich eigentlich gegenteilig zu sein“
Und das ist bei Clowns ehrlich gesagt meistens der Fall.

Stell dir vor deine Mailbox hätte ein Herz, oder noch besser: dein Herz hätte eine Mailbox.
Du bist verknallt und alles was ein „Anrufer“ zu hören kriegt ist:
„Hallo, dies ist die Mailbox von Herz, leider ist gerade überhaupt kein klarer Gedanke zu erreichen, wenn sie eine wichtige Nachricht haben sprechen sie nach dem Piepton oder versuchen sie es einfach später nocheinmal!“
Genauso gut würde das funktionieren:
„Hallo, dies ist die Mailbox von Herz leider bin ich zurzeit schon gebrochen, wenn du auf mir herumtrampeln willst versuche es später nocheinmal, oder spreche nach dem piepton – tuuuuut.“
Tatsächlich hat unser Herz so etwas wie eine Mailbox. Meins zumindest.
Alles was jemals draufgesprochen wurde ist jederzeit wieder abhörbar. Alles was sich um Liebe dreht löst bei mir eine Art fotografisches Gedächtnis aus. Nahezu jedes Wort was auf dieser Mailbox gespeichert ist, ist eben gespeichert. Dabei ist das nicht immer positiv. Denn nicht jeder der dein Herz anruft hat super Neuigkeiten zu erzählen. Warscheinlich gilt auch hier, wie im echten Leben auch: immer erreichbar sein ist nicht immer super.
Also Herz aus?
Nö is ja auch Quatsch.
Aber was dann?
Wie wäre es mit einer Art Flugzeugmodus? Oft stell ich mein Handy nachts auf diesen Modus weil ich kein Bock habe um 3 Uhr nachts noch einen Anruf zu bekommen.
Perfekt wenn man das auch mit seinem wichtigsten Organ hinbekommt. Einfach mal über dem ganzen Summs schweben. Und sich denken:wie klein alles da unten aussieht!…chillig“
Und dann erstmal ein gutes Buch, das Bordmenü und klare Gedanken.
Für die Landung ist immer noch Zeit.
Vielleicht wenn man dringend mal einen Anruf machen muss…

Genug für jetzt.
Gruß
Rebekka

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